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Interview mit emmerzone

Am 13. September wird in Lügde ein neuer Bürgermeister gewählt. Es stehen mehrere Kandidaten zur Auswahl. Den Wahlkampf werden wir auf Emmerzone begleiten, in einem ersten Schritt stellen wir Euch nach und nach die Bewerber vor. Wir haben allen einen Fragebogen geschickt, als zweites hier die Antworten von Torben Blome.

1. Wie ist bei Dir zu dem Entschluss gekommen, Bürgermeister der Stadt Lügde zu werden?
Das Amt des Bürgermeisters bietet einfach riesige Möglichkeiten zu gestalten und vor Ort etwas aktiv zu bewegen. Außerdem hat man mit den verschiedensten Themen und vielen Akteuren zu tun. Die Geschicke der eigenen Heimatstadt zu leiten hat einen unglaublichen Reiz, gleichzeitig trägt man eine hohe Verantwortung für die Menschen, Unternehmen und weiteren Institutionen. In den letzten Wochen und Monaten haben mich viele Menschen angesprochen und mich motiviert zu kandidieren. Die finale Entscheidung ist am Ende innerhalb der Familie getroffen worden.

2. Welche Erfahrungen aus Deiner bisherigen Arbeit kommen Dir für das Amt des Bürgermeisters zu Gute?
Ich habe von 2007 – 2010 mein duales Studium bei der Stadt Bielefeld und der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung absolviert und arbeite seit meinem Abschluss als Diplomverwaltungswirt (FH) bei der Bezirksregierung Detmold. Ich hatte dabei die Möglichkeit in vielen verschiedenen Bereichen der öffentlichen Verwaltung wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Ob Personal, Ordnung, Schule, Haushalt, Soziales, Städtebauförderung oder aktuell Planfeststellung, alle diese Bereiche kommen sicherlich auch den Aufgaben eines Bürgermeisters zu Gute. Zusätzlich bin ich seit vielen Jahren im Krisenstab tätig und dort aktuell schwerpunktmäßig mit Aufgaben des Krisenmanagements in der Corona-Pandemie beauftragt.

3. Was würdest Du sagen, sind Deine größten Stärken und wo sind Deine Schwächen?
Meine beruflichen und politischen Erfahrungen sind das Fundament, denn ein Bürgermeister einer Kleinstadt darf aus meiner Sicht kein Grüßaugust sein, sondern ist erster Sachbearbeiter der Stadt und muss sich in der Verwaltung einfach auskennen. Ich löse gerne Probleme, bin kommunikativ und habe schon so manchen Kompromiss geschmiedet.
Schwächen habe ich natürlich auch, aber die verrate ich nicht. Da müssen Sie schon meine Frau fragen.

4. Was zeichnet Lügde gegenüber anderen Kleinstädten aus?
Wir gehen in Lügde meist sehr konstruktiv und kooperativ miteinander um, auch im Rat und der Verwaltung. Miteinander reden und gemeinsam entscheiden, wenn es um die großen Weichenstellungen geht. Der Zusammenhalt in Lügde und seinen Ortsteilen ist schon besonders ausgeprägt. Gute Bespiele sind unser jährliches Stadtschützenfest, die tolle ortsteilübergreifende Zusammenarbeit in der Freiwilligen Feuerwehr oder bei unseren Sportvereinen. Dazu leben wir einfach in einem wunderschönen Natur- und Landschaftsraum und sind trotzdem schnell mit der Bahn in Hannover oder Paderborn. Und auch in die Kreisstädte Detmold, Hameln, Holzminden oder Höxter ist es nicht weit. Das damit verbundene vielfältige Angebot an Kultur-, Freizeit- und Arbeitsmöglichkeiten bietet insgesamt eine hohe Lebensqualität.

5. Wie findest Du die Idee eines Jugendparlamentes für Lügde?
Die Idee finde ich schon seit Jahren interessant und würde das auch aktiv unterstützen. Dazu braucht es aber auch genügend interessierte Jugendliche, die auch bereit wären, solche Ämter zu übernehmen und sich aktiv einzubringen. Alternativ empfehle ich, dass Jugendliche ihre Vorstellungen oder konkreten Projektideen einfach mal an passender Stelle vorstellen.

6. Hast Du Ideen, den Einzelhandel, die Gastronomie und Hotellerie in Lügde zu beleben ?
Ich habe vor einigen Jahren den „Lügde Gutschein“ bei der Generalversammlung von Lügde Marketing e.V. angeregt. Der hat sich erfreulicherweise gut etabliert. Aktuell muss uns aber allen klar sein, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie die Substanz unserer Unternehmen so stark angreift und existenziell bedroht, wie vermutlich nie zuvor. Und was einmal bei uns schließen muss, das kommt so schnell nicht zurück. Wir müssen also jetzt alle in Lügde solidarisch sein und bei unseren Unternehmen konsumieren, trotz Krise. Jeder kann dabei seinen individuellen Beitrag leisten, je nach eigenen finanziellen Möglichkeiten. Seit Beginn der Beschränkungen gebe ich persönlich einen festgelegten Teil meines Gehalts Monat für Monat bewusst bei den Unternehmen in Lügde und Bad Pyrmont aus, kaufe Gutscheine, gebe mehr als das übliche Trinkgeld oder runde einfach mal eine Rechnung auf. Wir sind als Bewohner in erster Linie selbst verantwortlich, ob unsere Unternehmen diese Krise überleben.

7. Ist die Verwaltung in Lügde Deiner Meinung nach digital gut aufgestellt?
Es gibt hier Licht und Schatten. Viele Potentialbereiche sind aber ausgemacht worden und warten auf die konkrete Umsetzung. Hierzu zählt die Digitalisierung unserer Schulen und die Überarbeitung des Internetauftritts. Die Breitbandanbindung ist auch noch nicht flächendeckend im ausreichenden Maße ausgebaut. Die Versäumnisse der Vergangenheit holen uns aktuell in Zeiten von flächendeckendem „Homeoffice“ und „Home-schooling“ natürlich ein. Eine ausreichende und flächendeckende Digitalisierungsinfrastruktur ist für mich eine Frage der Daseinsvorsorge.

8. Wie kann das Zusammenspiel Lügde – Bad Pyrmont besser funktionieren?
In der aktuellen Krise arbeiten gerade unsere Unternehmer erfreulicherweise sehr kooperativ und gemeinschaftlich zusammen. Diesen „Spirit“ – beispielsweise der Lokalunterstützer – brauchen wir auch in Zukunft. Die BPT und Lügde Marketing e.V. arbeiten auch sehr vertrauensvoll zusammen. Ich würde mir für die Zukunft gemeinsame Stadtentwicklungsprojekte wünschen und auch das Regionalmarketing kann sicherlich noch besser abgestimmt werden. Lügde und Bad Pyrmont, die Ackerbürgerstadt und das traditionsreiche Kurbad, der Emmerauenpark und der Kurpark, diese Vielfalt und die Unterschiedlichkeit unserer Städte in einem gemeinsamen Lebensraum sind Alleinstellungsmerkmale unseres Talkessels.

9. Wie siehst Du das Verhältnis Ortsteile und Kernstadt in Lügde?
Wir feiern in diesem Jahr 50 Jahre Großgemeinde in Lügde. Meine Frau kommt aus Sabbenhausen und ich habe viele Freunde und Bekannte in den Ortsteilen. Das wird vielen Menschen in Lügde ähnlich gehen. Wir sind zusammengewachsen. Ich habe als Fußballer beim TuS WE Lügde noch regelmäßig die Derbys gegen die JSG Rischenau-Elbrinxen gespielt, das waren eigentlich die schönsten und intensivsten Spiele. Heute kicken die Jugendlichen aller 10 Ortsteile in einer JSG, weil wir einfach nicht mehr genügend Jugendliche zusammenbekommen. Die negative demografische Entwicklung betrifft uns alle und nur mit guten und zielgenauen Zukunftskonzepten werden wir das stoppen können.
Was mir in den Ortsteilen wirklich imponiert: Im Dorf packt man selbst an, da muss schon wirklich was passieren bis man um (finanzielle) Hilfe bei der Stadt ruft. Man wartet nicht auf Hilfe von oben, sondern organisiert sich in der Dorfgemeinschaft. Das sollten wir Kernstädter vielleicht auch öfter würdigen und entsprechend wertschätzen.

10. Wenn Du ein Tier wärest, welches würde Deinen Eigenschaften am besten treffen?
Das wäre dann wohl der Braunbär. Der erste Teil meines Vornamens lässt sich von Thor ableiten. Der zweite Teil aus dem Wort Björn, nordgermanisch für Bär oder auch Brauner (im weiteren Sinne auch Häuptling). Das kann man so stehen lassen.